Ein Papst mit Migrationshintergrund

22. März 2013

Am 17. Dezember 1936 kommt Jorge Mario Bergoglio in Buenos Aires zur Welt. Seine Eltern Mario Bergoglio und Regina Sivori sind Auswanderer aus dem oberitalienischen Piemonte. Die Überfahrt von Mario Bergoglio mit dem Dampfschiff „Giulio Cesare“ ist im „Galata Meeresmuseum“ in Genua dokumentiert. Demnach ist der Vater des heutigen Papstes im Alter von 21 Jahren in Genua an Bord gegangen und am 15. Februar 1929 in Buenos Aires angekommen.

Von Jorge Mario heißt es, dass ihm die Mundart aus Asti noch vertraut ist. Beim Angelusgebet am 17.03.2013 kommt Franziskus selbst auf seine italienischen Wurzeln zu sprechen: „Ich habe den Namen des Schutzpatrons Italiens gewählt, des hl. Franziskus von Assisi, und das stärkt meine geistliche Verbundenheit mit diesem Land, wo – wie ihr wisst – die Ursprünge meiner Familie liegen.“ Mit Blick auf die christliche Identität relativiert er aber zugleich die biografisch-nationalen Bande: „[…] Jesus hat uns berufen, Teil einer neuen Familie zu sein: seiner Kirche, in dieser Familie Gottes, indem wir gemeinsam den Weg des Evangeliums gehen.“ Hinter dieser Feststellung verbirgt sich unverkennbar ein Appell an alle Getauften, die ethnischen Zugehörigkeiten der gemeinsamen Identität im Glauben unterzuordnen.

Zugleich setzt sich der Kardinal und Erzbischof von Buenos Aires ein für eine Kultur der Gastfreundschaft. Dies belegt eine Botschaft aus dem Jahr 2003 anlässlich des Welttags des Migranten und Flüchtlings. Darin lädt Bergoglio die Einwohner der Metropole ein, den Beitrag der Migranten anzuerkennen und durch die Vielfalt in der Einheit zu wachsen, damit auf diese Weise die Identität der Kinder Gottes offenbar werde. „Der Tag des Migranten gibt uns die Gelegenheit, so vielen zugewanderten Schwestern und Brüdern, die mit uns gemeinsam rudern wollen zum Wohl des Vaterlandes, unser herzliches Willkommen und unsere Gastfreundschaft zu erweisen“ (aciprensa.com, Übersetzung TK).

Klare Worte fand Kardinal Bergoglio denn auch anlässlich des Gedenkgottesdienstes auf der Plaza Conctitución für die Opfer des Menschenhandels am 23. September 2011: „In der Schule hat man uns beigebracht, die Sklaverei sei abgeschafft worden, doch wisst Ihr, was das ist? Eine Lügengeschichte! Denn in dieser Stadt Buenos Aires ist die Sklaverei keineswegs abgeschafft; in dieser Stadt ist die Sklaverei an der Tagesordnung in unterschiedlichen Ausprägungen; in dieser Stadt werden Arbeiter in illegalen Fabriken ausgebeutet, und wenn es sich dabei um Immigranten handelt, nimmt man ihnen die Möglichkeit zu entkommen. In dieser Stadt werden Frauen und Mädchen entführt, dem Missbrauch preisgegeben und ihrer Würde beraubt. In dieser Stadt gibt es Menschen, die mit dem Fleisch ihrer Schwestern und Brüder Geld machen und davon leben, mit dem Fleisch all dieser Sklaven und Sklavinnen; das Fleisch, das Jesus angenommen hat und für das er gestorben ist, ist weniger Wert als das Fleisch eines Haustiers und eben dies geschieht in dieser Stadt!!! […] Heute ist Jesus auf der Plaza Constitución, nicht um Politik zu treiben und auch nicht um eine Konferenz abzuhalten, sondern um mit seinem Volk zu weinen und zu trauern“ (scalabrini.org, Übersetzung TK).

 

von: Tobias Keßler

 

Quellen: vatican.va / scalabrini.org / adnkronos.com / corriere.it / aciprensa.com

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