Engagierte Auseinandersetzung mit Migration

11. September 2012

Anlässlich des Festaktes zum 70. Geburtstag von Bischof Norbert Trelle am vergangenen Samstag in Hildesheim hat Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, dessen Engagement als Vorsitzender der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, als Beauftragter für die Seelsorge für Roma, Sinti und verwandte Gruppen und seine langjährige ehemalige Tätigkeit als Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für die deutschsprachige Seelsorge im Ausland gewürdigt.



In einer Rede appellierte er an die Gesellschaft, die Herausforderung des Umgangs mit Fremden und Migranten anzunehmen und sich vehement für deren Rechte einzusetzen. Gesellschaftliche und politische Debatten um die Aufnahme von Flüchtlingen und ein menschenfreundliches Asylsystem gehören heute in Europa ebenso zur Tagesordnung wie die Integration von Migranten. 
„Dennoch fehlt es häufig noch an einer klaren Vision für das Zusammenleben zwischen Einheimischen und Zugewanderten. Die Sorge um Migranten darf nicht als Randthema abgehandelt werden, sondern bedarf als komplexes Thema einer intensiven Auseinandersetzung. Deutschland und die Europäische Union müssen ihren moralischen und rechtlichen Verpflichtungen im Flüchtlingsschutz nachkommen“, so Erzbischof Zollitsch. Am ehesten gelänge dies in freiheitlichen Demokratien, die den Schutz der individuellen Rechte der Person gewährleisten.



Auswanderungs- und Zuwanderungswellen sowie Vertreibungen nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Geschichte bleibend geprägt. Die Vielfalt von Sprachen und Kulturen samt ihrer Konfessionen, Traditionen und Bräuche hätte die politische und kulturelle Landschaft in Europa verändert und bereichert. Einheimische und Zugezogene hätten gemeinsam am demokratischen Aufbau der Bundesrepublik gearbeitet. In Deutschland hätten aktuell über 16 Millionen Einwohner und somit knapp 20 Prozent der Gesamtbevölkerung einen Migrationshintergrund. In Europa würden über 60 Millionen Menschen außerhalb ihres Geburtslandes leben.



„Es gilt daher Prozesse zu finden, wie das Zusammenleben zwischen Einheimischen und Zugewanderten gelingt. Ziel ist nicht die vollständige Überwindung und Aufhebung der Verschiedenheit, sondern die Bewahrung der eigenen kulturellen und religiösen Identität sowie ein friedliches und respektvolles Miteinander“, erklärte Erzbischof Zollitsch.



Im Mittelpunkt des christlichen Bemühens um Integration stünde immer der einzelne Mensch, wie auch das Zweite Vatikanische Konzil im Blick auf die Arbeitsmigranten betonte, wonach die Arbeiter nicht als bloße Produktionsmittel, sondern als menschliche Personen zu behandeln seien. Ein zentrales Anliegen der christlichen Kirchen sei es, jedem Menschen als von Natur aus sozialem Wesen den diskriminierungsfreien Zugang zur Gemeinschaft und zu Bildung, Arbeit und persönlicher Entfaltung zu ermöglichen. Kirchliche Diakonie sei – nicht zuletzt durch Aktivitäten der Caritas, Hilfswerke und ehrenamtlicher Christen – gelebte Fremdenliebe als Ausdruck der Nächstenliebe und biete als wertvoller Integrationsfaktor Heimat.

„Mein Mitbruder, der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle, steht als engagierter Baumeister einer Zivilisation der Liebe für diakonisches Handeln, setzt sich für die Rechte von Migranten und Flüchtlingen ein und integriert somit den Bauplan der Liebe Gottes in vorbildlicher Weise in der Gesellschaft. Eine Zivilisation der Liebe ebnet Fremden den Weg zur Integration“, so Erzbischof Zollitsch. Dabei nahm er Bezug auf den bevorstehenden Gesprächsprozess der deutschen Bischöfe, der vom 14. bis 15. September 2012 unter dem Leitwort „Die ,Zivilisation der Liebe’ – unsere Verantwortung in der freien Gesellschaft“ in Hannover stattfindet. (www.dbk.de / AE)