Jahrestagung 2018

Christentum und Medialität:
Bedeutung – Chancen – Konflikte

Zeit: 14.–16. März 2018
Ort: Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt am Main

Während in Rom die Bischöfe der Weltkirche auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil über die Zukunft der Kirche diskutierten, veröffentlichte der Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan 1964 mit „Understanding Media“ sein wohl berühmtestes Buch. McLuhan war der Überzeugung, dass der „Inhalt“ eines Mediums von geringerer Bedeutung sei gegenüber der Verfasstheit des Mediums selbst. Dessen Gestalt, also die Materialität und Funktionsweise des Mediums, präge die Art, wie wir wahrnehmen, denken und uns sozial und kulturell organisieren. „Das Medium ist die Botschaft.“ Auch auf dem Konzil setzte man sich zur gleichen Zeit mit Fragen von Medialität und Medienwandel auseinander. Der im Nachgang des Konzils eingerichtete Welttag der sozialen Kommunikationsmittel legt davon Zeugnis ab. Im Hintergrund steht die Überzeugung, dass man sich die modernen Medien sozialer Kommunikation – damals Radio, Film, Fernsehen und die Presselandschaft – für die Verbreitung der Frohen Botschaft zunutze mache könne und solle. Seitdem ist viel geschehen. Papst Franziskus postet heute auf Instagram und twittert in neun Sprachen zu mehr als 25 Millionen Followern. Die Bibel und das Stundenbuch gibt es als App für das Smartphone und über den katholischen Glauben können sich Interessierte heute auf katholisch-werden.de informieren.

Die gegenwärtige Zeit wird von vielen als ein Zeitalter der medialen Umbrüche erlebt. Der Übergang von der „Gutenberg-Galaxis“ (McLuhan) zur Netzwerk-Gesellschaft (Castell) stößt auch ein Nachdenken über die Rolle und Bedeutung von Medialität und Medienwandel an (vgl. Bräunlein 2004). Der Kommunikationswissenschaftler Jeremy Stolow hebt in seinen Arbeiten hervor, dass Medien und Technologien nicht etwas der Religion Äußerliches oder ihr Hinzugefügtes sind. Medien und Technologien sind konstitutive Bestandteile religiöser Praxis und Erfahrung (vgl. Stolow 2005). In ähnlicher Weise betont auch Papst Benedikt XVI. 2008 in seiner Rede zum 42. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel: „Es gibt in der Tat keinen Bereich menschlicher Erfahrung – insbesondere angesichts des breiten Phänomens der Globalisierung –, in dem die Medien nicht konstitutives Element interpersonaler Beziehungen sowie der sozialen, ökonomischen, politischen und religiösen Vorgänge geworden sind.“

Vor diesem Hintergrund wird sich die kommende Jahrestagung der Rolle und Bedeutung von Medialität und Medienwandel im Christentum aus interdisziplinärer und weltkirchlicher Perspektive zuwenden. Wie gestaltet sich die Wechselbeziehung zwischen sich wandelnden Medien auf der einen Seite und christlichen Diskursen, Praktiken, Wahrnehmungserfahrungen sowie Vergemeinschaftungsformen auf der anderen? Wie sind besonders neuere und neueste Entwicklungen im gegenwärtigen digitalen Zeitalter aus missionswissenschaftlicher Perspektive zu beurteilen?

Der erste Teil der Tagung wird sich einleitend aus theoretischer Perspektive mit dem Themenfeld Religion, Medialität und Medienwandel beschäftigen und dieses anhand von Fallbeispielen aus der Christentumsgeschichte vertiefen. Der zweite Teil der Tagung ist gegenwärtigen Fallbeispielen unter anderem aus pfingstlichen, charismatischen und evangelikalen Kontexten gewidmet und beschäftigt sich mit der Nutzung von Medien und Prozessen der Mediatisierung. Im letzten Teil der Tagung werden wir uns der Reflexion und Evaluation neuester Entwicklungen innerhalb der gegenwärtigen christlichen Landschaft weltweit zuwenden.

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