Mission und Gesundheit

Die Sorge um die Kranken ist der katholischen Kirche unwiderruflich in ihr Stammbuch geschrieben. Die Evangelien sind voller Erzählungen, in denen Jesus sich den Kranken zuwendet und sie heilt. Das heilende Wirken Jesu Christi ist dabei integraler Bestandteil seines Auftretens und seiner Verkündigung: „Er zog in Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.“ (Mt 4,23). Seine Zuwendung zu den Kranken führte schließlich dazu, dass die christliche Tradition Jesus Christus auch als Christus medicus erkannte. Das heilende Engagement blieb aber nach dem biblischen Zeugnis nicht allein der Person Jesu vorenthalten; vielmehr gab er seinen Jüngern den expliziten Auftrag dazu: „Und er sandte sie aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen.“ (Lk 9,2). Diesem Sendungsauftrag versucht die Kirche auch heute noch treu zu sein.

Der – augenscheinlich eindeutige – Auftrag Jesu offenbart aber bei genauerem Hinsehen einige interessante offene Fragen:

  • Was bedeutet „Heilung“ eigentlich?
  • Wann ist ein Mensch gesund und wann ist er krank?
  • Impliziert dieser Sendungsauftrag auch einen Einsatz gegen krankmachende Strukturen und Systeme?
  • Was bedeutet der Heilungsauftrag in den verschiedenen weltkirchlichen Kontexten?
  • Welche Art von Heilung kann die Kirche unheilbar kranken Menschen anbieten?

Diesen und weiteren Themen sieht sich das IWM in seiner Forschung verpflichtet. Im intra- und interdisziplinären Dialog versucht es, den Themenkomplex „Mission und Gesundheit“ theologisch zu erschließen. Das heilende Engagement der Kirche ist dabei nicht zu vorschnell einfachhin unter das karitative Wirken zu subsumieren. Die Zuwendung der Kirche zu den Kranken ist zugleich Ausdruck der Gottesverehrung. Ist doch der Leib der Tempel des Heiligen Geistes (1 Kor 6,19) und das II. Vatikanische Konzil sieht in der Leiblichkeit des Menschen gar den Kristallisationspunkt der gesamten materiellen Schöpfung: „In Leib und Seele einer, vereint der Mensch durch seine Leiblichkeit die Elemente der stofflichen Welt in sich: Durch ihn erreichen diese die Höhe ihrer Bestimmung und erheben ihre Stimme zum freien Lob des Schöpfers. Das leibliche Leben darf also der Mensch nicht geringachten […]“ (GS 14). Diese Hochachtung der menschlichen Leiblichkeit darf aber nicht dazu führen, Gesundheit bzw. Krankheit allein physisch zu verstehen. Der Mensch muss in seiner Gesamtheit in den Blick genommen werden, nämlich als Einheit von „Leib und Seele, Herz und Gewissen, Vernunft und Willen“ (GS 3).

Als weltkirchliches Institut reflektiert das IWM dieses Forschungsgebiet nicht nur rein theoretisch, sondern versucht auch, die Erfahrungen der verschiedenen Ortskirchen hierzu für die gesamte Weltkirche fruchtbar zu machen.

„Mission hat gewiss etwas mit dem integralen Heil zu tun, das Leib und Seele unsere konkret-geschichtliche Welt und die soziale Situation betrifft. Es geht um den ganzen Menschen.“ (WeltMission – Internationaler Kongress der katholischen Kirche [Arbeitshilfen Nr. 202], hrsg. von der deutschen Bischofskonferenz 2006, 41).


 Verantwortlich: Markus Patenge