Habemus Papam

14. März 2013

Keine Frage. Franziskus ist ein Überraschungspapst. Er hat die Medien überrascht, die einen großen Zirkus um alle möglichen Wahlfavoriten veranstalteten, ihn jedoch nicht auf den Schirm hatten.

Er hat seine Landsleute überrascht, die nicht damit gerechnet hatten, dass ein Argentinier Nachfolger Petri wird. Er hat die Jesuiten überrascht, weil sie nicht erwartet hätten, dass der einzige Jesuitenkardinal im Konklave dann auch gleich der erste Jesuit auf dem römischen Bischofsstuhl überhaupt wird. Er hat die Ordensleute überrascht, die in ihrem eigenen Leben noch nie einen Ordensmann als Bischof von Rom gesehen hatten. Er hat die Franziskaner überrascht, weil er sich nach fast 800 Jahren als erster Papst nach diesem populären Heiligen benennt. Franziskus hat die vielen Menschen überrascht, die sich auf dem Petersplatz, vor den Bildschirmen und Radios versammelt hatten, um dabei zu sein, wenn der neue Papst spricht und segnet. Er betet mit ihnen, nimmt Kontakt auf, spricht vom gemeinsamen Weg der Geschwisterlichkeit, Bischof und Volk, Volk und Bischof. Starke Worte der Kollegialität. In einem spirituell dichten Moment der Stille fordert er alle Menschen auf, jetzt für ihn zu beten. Dann erst spricht er den Segen. Dabei zeigt seine Körpersprache große Präsenz und besonnene Freude. Das Gebet als Kraftquelle der Kirche.
Franziskus stellt sich selbst damit vor, dass er „vom anderen Ende der Welt“ komme. Es ist eine weitere Überraschung, die neben den vielen anderen zunächst gar nicht mehr ins Gewicht zu fallen scheint. Der neue Papst ist kein Europäer. Nach so vielen Jahren des innerkirchlichen Wandels von der Westkirche zur Weltkirche verkörpert er diese neue weltkirchliche Realität. Er ist in Lateinamerika beheimatet, einem Kontinent, der mit der Theologie der Befreiung eine pastorale Antwort auf drängende soziale Fragen gibt und der die Option für die Armen weltweit ins Bewusstsein der Kirche gerufen hat. Der Name Franziskus steht zweifelsohne für diese selbstverständliche Hinwendung zu den Armen, ja er weckt sogar Assoziationen einer Kirche, die selbst arm ist. Als der neue Papst nach seiner Wahl auf den Balkon trat, spürten viele sofort, dass hier eine ernsthafte Art kirchlicher Lebendigkeit da ist.
Wir dürfen gespannt sein, was Gott in den nächsten Monaten und Jahren mit diesem Papst und seiner vielerorts krisengeschüttelten Kirche vor hat.

Von: Simon Neubert

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