Theologisches Profil

Weltkirche unter dem Vorzeichen der Katholizität

Das Institut für Weltkirche und Mission betreibt missionswissenschaftliche Forschung im Horizont der Weltkirche. Es versteht sich als Plattform für den wissenschaftlichen Austausch zwischen den Ortskirchen in verschiedenen Ländern und Kulturen. In diesem Zusammenhang unterstützt es die Suche nach angemessenen kirchlichen Kommunikationsstrukturen, die Katholizität fördern. Aus der weltkirchlichen Perspektive richtet sich der Blick auch nach Europa und Nordamerika, um die nicht mehr zeitgemäße Schematisierung von Kirchen des Südens und Kirchen des Nordens zu überwinden.

Das IWM integriert in seiner Reflexion von Mission kirchliches Engagement im Bereich der Bildung, Einsatz für Gesundheit und soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Menschenrechte mit der Frage nach dem lebenstransformierenden Potential des Evangeliums. Dabei weiß es sich dem interreligiösen Dialog auf verschiedenen Ebenen verpflichtet und lernt aus der Praxis der interkulturellen Zusammenarbeit mit allen „Menschen guten Willens“. Die wachsende Bedeutung von weltweiten Bewegungen und zunehmende Mobilität regt dazu an, die Rolle der  Kirche angesichts globaler Netzwerke und Strömungen zu reflektieren. Dabei hat sie vor allem die Situation der ökonomisch Benachteiligten und sozial Marginalisierten im Blick. Es wird eine Theologie anvisiert, die sich sowohl kontextuell verortet weiß und die Berufung der Menschheit zu einer Familie nicht aus dem Blick verliert. In der Konfrontation mit einer ambivalenten Missionsgeschichte gewinnt sie Kriterien für die Unterscheidung der Geister in der Begegnung von Evangelium und Kultur.

 

Mission als Dialog des Heiles

Mission im Verständnis des IWM ist die Konsequenz aus einem Evangelium, das selbst kulturell und historisch verortet, als Kommunikation Gottes in Jesus Christus mit den Menschen immer darum bemüht sein muss, Partikularität und Ethnozentrismus zu überwinden. Die Missiologie des IWM beruht entsprechend auf einer interkulturellen Theologie, die sich um Unterstützung ihrer Analysen durch interdisziplinäre Zusammenarbeit bemüht. Die Begegnung von Evangelium und Kultur äußert sich als prophetischer Dialog, der anerkennt und fördert, was der evangelischen „Fülle des Lebens“ dient und kritisiert, was die Gottesebenbildlichkeit des Menschen verzerrt. Im Anschluss an eine Theologie der „Zeichen der Zeit“ versteht sie sich in einem kontinuierlichen Lernprozess.

 

Missionstheologie im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil

Dem IWM geht es in seiner Arbeit um ein zeitgemäßes Missionsverständnis, das die Impulse des II. Vatikanums aufnimmt und weiterentwickelt. Die missionswissenschaftliche Agenda wird dabei von einer Reihe theologisch brisanter und komplexer Fragestellungen vorgegeben: Wie kann die missionarische Sendung des Volkes Gottes zugleich in einem kulturellen Kontext beheimatet und universal ausgerichtet sein? Wie lässt sich eine Mission denken und praktizieren, die sowohl in Christus verwurzelt als auch offen für den interreligiösen Dialog ist? Auf welchem Weg lassen sich prophetischer Einspruch, charismatischer Aufbruch und rationaler Anspruch miteinander verbinden? Wie kann Kirche trotz kultureller und wirtschaftlicher Unterschiede als lebendige weltkirchliche Gemeinschaft wachsen? Wie kann ihr Beitrag zu einer Humanisierung der Menschheit aussehen? Wie sieht eine Kirche aus, die von der Mission her gedacht wird? Wie kann sie ihre Identität wahren und die Zeichen der Zeit erschließen?

Die Arbeit des IWM wird von der Überzeugung geleitet, dass die christliche Mission kein einseitiger Prozess ist, sondern ein zwischenmenschliches Geschehen, das von den jeweiligen Lebenskontexten geprägt wird. Das IWM grenzt sich daher von Vorstellungen ab, bei denen Mission – bewusst oder unbewusst – mit Vereinnahmung, Entmündigung oder Ethnozentrismus einhergeht. Diese Fehlformen von Mission müssen selbstkritisch als Pervertierung der Sendung der Kirche entlarvt werden.

 

Missionarische Sendung der Kirche

Mission hat ihren Ursprung im Wunsch Gottes nach Kommunikation mit den Menschen in Jesus Christus, wie sie in der Inkarnation ihre Verwirklichung gefunden hat.  Die Kirche ist Werkzeug und Zeichen dieser Bewegung Gottes zu den Menschen hin (Lumen Gentium). In ihrer Sendung bezeugt die Kirche das Wirken des Heiligen Geistes, der ihrem Tun immer schon vorausgeht. Missionstheologie hat daher zur Aufgabe, die Präsenz des Heiligen Geistes in den Lebenswirklichkeiten der Menschen wahr- und ernstzunehmen. Dies kann nur in Form eines interkulturellen und innerkirchlichen Kommunikationsprozesses geschehen, damit die Vielfalt der Erfahrungen zu einer immer tieferen Erkenntnis der befreienden Kraft des Evangeliums beiträgt. Dieser „Dialog des Heils“ (Ecclesiam Suam) schließt sowohl das Gespräch mit anderen religiösen Traditionen als auch gemeinsames humanitäres Engagement mit ein. Dabei sind alle Initiativen von der Frage geleitet, ob sie der Verwirklichung des Reiches Gottes als Dienst für alle Menschen gerecht werden.

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Kunyu wanguo quantu (Vollständige Karte alle Nationen der Welt) – kartographiert vom Missionaren Matteo Ricci SJ, gedruckt im Auftrag des Kaisers Wanli, Peking 1602.