Unruhen in Zentralafrika dauern an – auch Kirchen betroffen

06. Mai 2013

Von der Weltöffentlichkeit weitestgehend ignoriert, herrschen in der Zentralafrikanischen Republik schon seit Wochen chaotische Zustände. Besonders die Hauptstadt Bangui, die am 24. März von Rebellen der Séléka-Koalition eingenommen wurde, ist Schauplatz von blutigen Zusammenstößen (vgl. FAZ).

Die Séléka-Koalition – Séléka ist Sango und heißt Allianz – ist ein Zusammenschluss von mehreren islamischen Rebellengruppen aus dem Norden des Landes. Durch ihren Putsch im März 2013 wurde Präsident François Bozizé mitsamt seiner Regierung zur Flucht in das benachbarte Kamerun gezwungen. Die Plünderungen der Rebellentruppen machen auch vor caritativen Organisationen nicht Halt: Geländewagen, Computer, Generatoren, aber auch Medikamente gehen als Diebesgut in den Besitz der Putschisten über. Unter diesen chaotischen Verhältnissen leiden auch die Kirchen. In einem Interview mit Radio Vatikan zeichnet der Erzbischof von Bangui, Dieudonné Nzapalainga, ein erschreckendes Bild von der Lage in seiner Heimat:
„Im Stadtviertel Boy Rabe habe ich einen großen LKW gesehen, der sich mit Kühlschränken und Kühltruhen aus dem Staub machte – das heißt, die Plünderungen gehen immer weiter, bei helllichtem Tag, unter den Augen der untätigen Behörden. Das Stadtviertel war fast menschenleer, weil Gerüchte umgingen, es solle niedergebrannt werden. Ich habe Kindern geholfen, die Straße zu überqueren, denn sie hatten alle Angst davor, die Eltern auch. Das ist eine Psychose! Wie kann man den Kindern das zumuten? Überall Waffen, Feuerstöße, Autos, die mit Karacho durch die Straßen rasen – ein Klima des Misstrauens. Die neuen Verantwortlichen sollten sich eine Reihe Fragen stellen! Unser Eindruck ist, dass die Séléka-Rebellen jetzt, wo sie die ganze Macht haben, erst einmal tun, was sie wollen. Da müsste jemand kommen, sie wieder in die Kasernen schicken und entwaffnen, damit die Zivilbevölkerung wieder ihrem normalen Alltag nachgehen kann.“

Neben dem Erzbischof von Bangui haben sich mittlerweile auch andere Bischöfe mit verzweifelten Hilferufen an die Öffentlichkeit gewandt. In einem Brief an Kirche in Not schildert Juan José Aguirre, Comboni-Missionar und Bischof von Bangassou im Osten der Zentralafrikanischen Republik, die dramatische Situation:
„Die Plünderungen gehen weiter, Tag und Nacht, zu jeder beliebigen Zeit. Die entsetzten Menschen fliehen nicht, sondern weinen und versuchen das Wenige zu verteidigen, das ihnen geblieben ist. Jederzeit können Rebellen oder als Rebellen Verkleidete in ihre Häuser eindringen, um es mit der Maschinenpistole in der Hand zu rauben.“
Der Bischof der zentralafrikanischen Diözese Kaga Bandoro, Albert Vanbuel, weist in seinem Hilferuf darauf hin, dass der Kirche in dieser unübersichtlichen Lage eine besondere Bedeutung zukommt:
„Seit dem Einmarsch der Rebellen ist unser Gemeindezentrum nachts voller Flüchtlinge; einige Familien leben hier sogar dauerhaft. Die Kirche ist in der Zentralafrikanischen Republik neben den internationalen Schutztruppen und dem Roten Kreuz die einzige ‚Autorität’, die die Bevölkerung schützt.“
Wer sich dafür interessiert, die Kirche in Zentralafrika zu unterstützen, findet hier weitere Informationen.

Von: Gregor Buß

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