Mission und Gesundheit

Gesundheit umfasst ein komplexes Zueinander von physischen, psychischen und sozialen Aspekten. Sie ist mehr als das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen und bezeichnet einen „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens“ (Verfassung der Weltgesundheitsorganisation, 1946).


Bildquelle: Luna David

Biblisch wird die Sehnsucht nach einem Zustand von umfassenden Wohlergehen mit den Begriffen „Heil, Heilung“ assoziiert. Die Evangelien sind voller Erzählungen, in denen Jesus sich „kranken“ Menschen zuwendet und sie heilt. Das heilende Wirken Jesu Christi ist dabei integraler Bestandteil seines Auftretens und seiner Verkündigung: „Er zog in Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.“ (Mt 4,23). Gleichzeitig gab Jesus seinen Jüngern den expliziten Auftrag zu heilen: „Und er sandte sie aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen.“ (Lk 9,2).
Mission in der Nachfolge Jesu heißt daher, sich für die Veränderung von „krankmachenden“ Lebenswirklichkeiten unterschiedlichster Menschen und deren „Heilung“ einzusetzen. Menschen können in ihrem körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehen eingeschränkt sein, weil sie eine medizinisch diagnostizierte Krankheit haben. Das mehrdimensionale Wohlergehen von Menschen ist aber auch dann nicht gewährleistet, wenn sie in einem Bürgerkriegskontext leben, von extremer Armut betroffen sind oder aufgrund ihres Geschlechtes, ihres Alters, ihrer Hautfarbe oder ihrer körperlichen wie geistigen Merkmale diskriminiert werden. Im Zentrum von Mission stehen daher stets Menschen in ihren vielfältigen sozialen und geschichtlichen Bezügen und die Frage, wie für sie die Liebe und Treue des menschgewordenen Gottes erfahrbar werden kann: „Mission hat gewiss etwas mit dem integralen Heil zu tun, das Leib und Seele unsere konkret-geschichtliche Welt und die soziale Situation betrifft. Es geht um den ganzen Menschen.“ (WeltMission – Internationaler Kongress der katholischen Kirche [Arbeitshilfen Nr. 202], hrsg. von der deutschen Bischofskonferenz 2006, 41).


Bildquelle: Vincent van Gogh, Der barmherzige Samariter, Ausschnitt (1890).

Im intra- wie interdisziplinären Dialog erschließen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IWM die vielfältigen Beziehungen zwischen „Mission“, „Heil/Heilung“ und „Gesundheit“ theologisch. Dabei reflektieren sie dieses Beziehungsgeflecht nicht nur theoretisch, sondern nehmen auch die praktischen Erfahrungen verschiedener Ortskirchen in den Blick. Ihre Reflexionen werden von folgende Fragen begleitet:
• Was bedeutet „Heilung“ eigentlich?
• Wie lassen sich „krankmachende“ Lebenswirklichkeiten von Menschen transformieren?
• Wie wird der Heilungsauftrag Jesu in unterschiedlichen weltkirchlichen Kontexten umgesetzt?
• Welche Theologien werden im Spannungsfeld Gesundheit-Mission entwickelt, um etwa Menschen mit Behinderungen heilsame Perspektiven zu eröffnen?


Verantwortlich: Dr. Branka Gabric