Mission: Bildung?

Als Ausgangspunkt des Forschungsprojektes „Mission: Bildung?“ lassen sich zwei spannungsvolle Beobachtungen festmachen: Zum einen nämlich zeigt sich das vielfältige Bildungshandeln der Katholischen Kirche als ganz wesentlicher Bestandteil ihres Wirkens in der Welt, welcher auf internationaler Ebene die Verwirklichung der Menschenrechte fördert und bei Gläubigen wie Nichtgläubigen weithin eine positive Resonanz erfährt. Über diese gesellschaftsbezogene Verortung hinaus jedoch wird bei weiterem Hinsehen zugleich offenbar, dass der in der Praxis alltäglich wahrgenommene Bildungsauftrag für das missionarische Selbstverständnis der Kirche dabei nur bedingt theologisch reflektiert und in ihm verankert worden ist. Dieses augenscheinliche Desiderat soll daher folgendermaßen untersucht werden:

1) Für die vertiefte Auseinandersetzung mit der Frage der Bedeutung des Bildungsparadigmas für das missionarische Handeln der Kirche hat zunächst eine umfangreiche Beschäftigung mit dem viel diskutierten Begriffspaar „Bildung/Erziehung“ zu erfolgen. Dazu wird u.a. die konkrete Rede von Bildung und Erziehung in verschiedenen wichtigen Dokumenten der Weltkirche sowie ausgewählter Ortskirchen in den Blick genommen, um in einer Art Bestandsaufnahme die gegenwärtigen Mängel und Potenziale derselben herauszuarbeiten.

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2) Einen eigenen Zugang zu dem beschriebenen Problemfeld will das Forschungsprojekt daraufhin in einem zweiten Arbeitsschritt versuchen, indem es den Entwurf eines biblisch fundierten und systematisch reflektierten christlichen Bildungsbegriffs vorlegt. Denn Altes und Neues Testament legen hierfür gemeinsam eine aussichtsreiche Spur, welche die wechselseitige Beziehung zwischen menschlichen Bildungs- und Erziehungsprozessen und der Vermittlung und Annahme des Glaubens schon auf die Anfänge der Hinwendung Gottes zu den Menschen zurückführt. Darauf aufbauend kann sich im Folgenden die systematische Entfaltung eines genuin christlichen Bildungsparadigmas den anthropologischen, soteriologischen und ekklesiologischen Gesichtspunkten widmen, welche gleichsam das Gerüst, die innere Struktur einer missionarischen Kirche ausmachen.

3) Hat das beschriebene Vorhaben den erhofften Erfolg, lässt sich so womöglich eine dezidiert theologische Verstehensweise von Erziehung und Bildung profilieren, die zugleich fruchtbare Impulse für den vielseitigen Einsatz der Kirche in diesem Bereich sowie auch ihr ureigenes Sendungsbewusstsein generell in sich birgt. Mit der kritischen Anfrage, ob und inwiefern das Bildungsparadigma auch als eine Art Selbstvollzug einer missionarischen Kirche gedacht werden kann, und dem damit einhergehenden Ausblick auf die möglichen praktischen Konsequenzen einer solchen Überlegung soll die Arbeit voraussichtlich ihren Abschluss finden.


Kontakt: Christiana Idika