„Synodaler Weg – Weltkirchliche Perspektiven“

Erhebung unter den Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie Alumni des KAAD und des AMP zum Synodalen Weg in Deutschland

In den letzten Jahren hat sich in der deutschen Öffentlichkeit das Bild einer katholischen Kirche manifestiert, die einer Erneuerung und Umkehr bedarf. Das Aufdecken eines vielschichtigen und erschütternden Machtmissbrauchs in zahlreichen Bistümern führte in eine tiefe Glaubwürdigkeitskrise; man spricht sogar von einem „toten Punkt“, an dem sich die Kirche in Deutschland befinden soll. Der sogenannte Synodale Weg, ein von Laien und Amtskirche gleichermaßen getragener kirchlicher Reformprozess, soll die dem Machtmissbrauch zugrundeliegenden strukturellen Aspekte benennen und Lösungsvorschläge für eine Weiterentwicklung erarbeiten. Die Fragen nach klerikaler Macht und Lebensform, nach Gewaltenteilung und Teilhabe sowie nach der Verantwortung von Frauen in der Kirche stehen dabei besonders im Fokus der Debatte.

Quelle: https://www.synodalerweg.de

Der Synodale Weg mit dem primären Ziel, Lösungswege für die Situation in Deutschland zu entwickeln, findet freilich nicht ohne externe Einfluss- und Bezugnahmen statt. Denn die katholische Kirche versteht sie nicht als Ansammlung solitärer Ortskirchen, sondern verortet sich immer auch im Zusammenhang mit der Gesamtkirche bzw. mit anderen Ortskirchen in den verschiedenen Ländern und Kontinenten. Wenn hierbei von der “Weltkirche” die Rede ist, wird diese Größeallerdings zunehmend problematisiert, da sie häufig pauschal als Hindernisgrund für Reformvorhaben ins Feld geführt wird. Ohne eine weltkirchliche Rückbindung, so einzelne Stimmen, dürfe der Synodale Weg in toto nicht beschritten werden. Damit “Weltkirche” eine ernstzunehmende argumentative Rolle im Diskurs des Synodalen Wegs spielen kann, müsste zunächst ein Differenzierungsprozess stattfinden, der dem Bezugsobjekt, den verschiedenen Ortskirchen in und außerhalb Deutschlands, gerecht wird. Entgegen der pauschalen Redeweise von der Weltkirche stellt sich die Frage, ob die Ablehnung von Reformvorhaben durch den Verweis auf mangelnde weltkirchliche Konsensfähigkeit, tatsächlich dem Sachstand in anderen Ortskirchen entspricht oder eine Projektion darstellt.

Zugleich kann konstatiert werden, dass der von den deutschen Ortskirchen beschrittene Erneuerungsweg international nicht nur positive Reaktionen ausgelöst hat: U.a. wird kritisiert, dass sich die deutsche Kirche zu sehr mit sich selbst beschäftige und zu wenig mit Problemen, denen sich andere Ortskirchen ausgesetzt sehen. Anders gewendet lautet die Kritik: Die Reformthemen, die in Deutschland verhandelt werden, spielten für die Katholikinnen und Katholiken in den Ortskirchen außerhalb Westeuropas keine Rolle, da sie andere, drängendere Probleme hätten. Vor diesem Hintergrund drängen sich weitere, bisher unbeantwortete Fragen auf: Sind die Anliegen und Themen des Synodalen Weges tatsächlich partikulär oder können auch andere Ortskirchen daran anknüpfen? Sind die Ortskirchen im globalen Süden und in Osteuropa vielmehr mit anderen Themen beschäftigt, wie z.B. Umweltgerechtigkeit, Religionsfreiheit oder der wachsende Einfluss von Pfingstkirchen?

Im beantragten Projekt führen die weltkirchlichen Einrichtungen „Katholischer Akademischer Ausländer-Dienst (KAAD)“ und das IWM eine empirische Studie durch, bei der internationale Teilnehmende aus verschiedenen Ortskirchen nach den Themen der deutschen Reformdebatte befragt werden. Hierbei sollen die Themenkomplexe des Synodalen Weges aus der Perspektive anderer weltkirchlicher Kontexte betrachtet, in seiner Relevanz auf den verschiedenen Ebenen des kirchlichen Lebens eingeordnet und in ihrer Bedeutung analysiert werden. Umgekehrt soll in Erfahrung gebracht werden, welchen Themen die Gläubigen in anderen kulturellen, politischen, ökonomischen und religiösen Kontexten Relevanz beimessen und welche Gewichtungen sie vornehmen.

Ein Ziel dieser Studie ist es, Stimmen aus unterschiedlichen weltkirchlichen Kontexten für den betreffenden Diskurs des Synodalen Weges sichtbar zu machen und die Argumentation mit “der Weltkirche” auf eine empirische Grundlage zu stellen. Darüber hinaus erkennt die Studie in der Förderung von Synodalität die Frage einer zukunftsträchtigen weltkirchlichen Verfasstheit der katholischen Kirche, fähig zu kultureller Vielfalt und orientiert an der Einheit, um ein adäquates Zeugnis in einer Welt der globalen Verflechtungen geben zu können. Damit kirchliche Erneuerung auch kontextübergreifend gelingen kann, bedarf es der dialogischen Verständigung, insbesondere über die regionalen Spezifika. Daher ist es ein weiteres Ziel, zu den Themen des synodalen Prozesses eine Verständigungshilfe zwischen den Ortskirchen zu leisten, die unter dem Prinzip der Katholizität verbunden sind.


Kontakt: Catalina Cerda Planas