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Veranstaltung
Jahrestagung 2019 - Christliche Bildung und Humanismus im Globalen Kontext
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Die katholische Kirche ist im öffentlichen Leben als Akteurin bekannt, die sich im Bereich der schulischen, universitären und außerschulischen Bildung intensiv engagiert.
Die katholische Kirche ist im öffentlichen Leben als Akteurin bekannt, die sich im Bereich der schulischen, universitären und außerschulischen Bildung intensiv engagiert. Zuletzt veröffentlichte die Kongregation für das katholische Bildungswesen (KKB) eine neue Orientierungshilfe mit dem Titel „Erziehung zum solidarischen Humanismus“ (EsH). Darin wird der kirchliche Bildungsauftrag nicht nur mit Blick auf das Wohlergehen von Individuen innerhalb einer sich entwickelnden Gesellschaft verstanden. Im Zentrum steht vielmehr das Gemeinwohl aller Völker, Kulturen, und Religionen und die Befähigung zur Koexistenz in einer globalisierten Welt mit vielfachen Differenzen und Machthierarchien. In globaler Perspektive kann Bildung daher nicht auf die Ebene der intellektuellen Einzelförderung reduziert werden.
„Globaler Kontext“ bringt sich mit all unsere Vorstellungen und Ideen über Globalisierungsprozesse: offener Markt und freier Handel; die kleine Welt, die durch soziale Medien und dergleichen ermöglicht wird; die transkulturellen, und interkulturellen Transfere und Austausche; die Massenmobilität von Human- und Wirtschaftskapital ­− um nur einige zu nennen. Aber globaler Kontext, so kann man festhalten, geht über diese Prozesse hinaus. Er beinhaltet alle Konsequenzen, mit denen die Menschheit zu leben gezwungen ist. Er umfasst die Wechselwirkungen unseres gemeinsamen Schicksals, d.h. die Auswirkungen von Wirtschaftstätigkeiten, Kriegen und Konflikten, Krankheiten und Armut in bestimmten Regionen, in denen sie sich ereignen oder abspielen, ist global zu spüren, ohne dass ein bestimmtes Verteilungsmuster vorliegt. Neben der vielfältigen und sich ständig verändernden politischen und wirtschaftlichen Ordnung kann man sich die Umweltkrise, die überwältigenden demografischen Veränderungen, den Migrations- und Flüchtlingsstrom, die ständige Bedrohung des Weltfriedens neben der globalen Ungleichheit sowie die Unterentwicklung in verschiedenen Regionen der Welt vorstellen.
Da die Menschheit diese Herausforderungen mit Fortschritten in Wissenschaft, Technologie und wirtschaftlicher Expertise angeht, fehlt es an Initiativen für Koexistenz, globalem Frieden und Kooperation. Daraus folgt, dass eine zentrale Herausforderung für die heutige Welt das Wiederfinden eines gemeinsamen Zusammenlebens ist. Wir müssen uns bewusst machen, welche Art von Menschen wir sein sollten, um miteinander zu leben. Trotz unserer Unterschiede müssen wir fragen, worin das Beste von dem besteht, was wir als Menschen teilen? Wie integrieren wir dieses Verständnis in unsere Lernbemühungen? Diese Frage ist anthropologisch sowie pädagogisch zu beantworten.
Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die nächste Jahrestagung des IWMs mit dem christlichen Auftrag zur Bildung in der Welt von heute. Sie stellt die Frage nach den Bedingungen und Herausforderungen, wenn das Ziel der Bildungsarbeit die Realisierung eines globalen „solidarischen Humanismus“ ist. Welche Strukturen und institutionellen Rahmenbedingungen sind für den Aufbau einer „Zivilisation der Liebe“ hilfreich und notwendig? Welche Rolle sollte die Kirche in Zukunft spielen? Wie sollte sie sich in den Bildungssystemen der verschiedenen Länder und Ortskirchen positionieren? Antwort geben werden uns internationale und interdisziplinäre Expertinnen und Experten aus dem kirchlichen und außerkirchlichen Raum.
Die Konferenzsprachen sind Englisch und Deutsch. Es wird simultanübersetzt.
Die Veranstaltung wird unterstützt von den Missionsprokuren der Jesuiten in Deutschland (Nürnberg) und in der Schweiz (Zürich).
Im Jahr 2017 veröffentlichte die Kongregation für katholische Bildung das Dokument Erziehung zum solidarischen Humanismus: Aufbau einer Zivilisation der Liebe, 50 Jahre nach der Enzyklika Populorum Progressio. Während die Enzyklika auf die Entwicklung des Menschen ausgerichtet ist, beschäftigt sich die Orientierungshilfe der Bildungskongregation mit der Frage nach Bildung unter den Herausforderungen der Globalisierung. Globale Armut, Klimaerwärmung, Gesundheitskrise, Massenmobilisierung, Kriege und Konflikte tragen zu einer humanitären Krisensituation bei. Während das Hauptaugenmerk der Politik bislang auf technischen und wirtschaftlichen Strategien liegt, um den meisten dieser Herausforderungen zu begegnen, werden Unterschiede in Religion, Kultur, Rasse, Geschlecht usw. vernachlässigt. Erziehung zum solidarischen Humanismus verfolgt hingegegen eine integrale Vision des Menschen, die in der kirchlichen Bildungsarbeit einen Niederschlag finden muss. Dazu sucht sie den Dialog mit allen Kräften, die eine ganzheitliche Entwicklung verfolgen. Die in vielen Ländern wachsende Kommerzialisierung von Bildungsangeboten motiviert diesen Vorstoß zur Selbstvergewisserung und Vernetzung zusätzlich.

 

Vor diesem Hintergrund widmete sich die Jahrestagung des IWM, die vom 20.–22. März auf dem Campus der Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen stattfand, der pädagogischen, theologischen und philosophischen Reflexion dieser Fragen in ihrem globalen Kontext. Durch die Kooperation mit der Initiative Jesuit Worldwide Learning erfolgte eine begleitende Konfrontation mit Situationen des Lernens und Lehrens unter prekären Bedingungen, die zugleich neue Zugänge eröffnete. Die Betrachtung des Themas erfordert eine Verknüpfung anthropologisch-theologischer und humanwissenschaftlicher Orientierung in der Realisierung eines solidarischen Humanismus durch die Bildungsarbeit der Katholische Kirche weltweit und verlangt eine selbstkritische Überprüfung des bisherigen Engagements.

 

Die Tagung brachte über 65 Teilnehmer aus der ganzen Welt zusammen, die aus verschiedenen kulturellen und regionalen Kontexten kamen. Zu den Referenten gehörten Dr. Jacinta Adhiambo, Prof. Dr. Sergio Junqueira Azevedo, Peter Balleis SJ, Dr. Friedrich Bechina FSO, Prof. Dr. Maria Böhmer, Dr. Prisca Ezenwa DMMM, Ass. Prof. Dr. Katia Lenehan Ho, Karolin Kuhn SSND, Prof. Dr. Elzibieta Osewska, Prof. em. Dr. John Sullivan, Dr. Birgit Weiler und Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski. Mit Unterstützung der Missionsprokuren der Schweizer und der Deutschen Jesuitenprovinz konnte zudem eine internationale Gruppe von Jesuiten aus dem Bildungsapostolat eingeladen werden.

 

Die Tagung begann am Mittwoch, den 20. März, mit dem Vortrag von Friedrich Bechina, Untersekretär der Kongregation für Katholische Bildung. Angesichts der Tatsache, dass es sich bei der Kirche um den größten globalen Bildungsanbieter handelt, stellte er die Frage nach der Spezifität und Identität der katholischen Bildung und thematisierte die strukturelle Besonderheit der katholischen Bildungsprogramme. Maria Böhmer, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, hob in ihrem Vortrag hervor, dass die Idee des „solidarischen Humanismus“ eine globale Verantwortung einschließen würde und Bildung einen Beitrag dazu leisten müsse. Das Bildungsverständnis der UNESCO sei in den aktuellen Zielformulierungen zur nachhaltigen Entwicklung (SDGs) eingeflossen. Holger Zaborowski plädierte für eine neue Annäherung an die humanistische Rede vom Menschsein, seiner Würde, seiner Freiheit und Verantwortung im Zusammenhang mit der Rolle der Bildung.

 

Den zweiten Tag eröffnete John Sullivan mit seinem Vortrag zum Thema „Dialogical Pedagogy and Humanising Education.“ Der von ihm vorgestellte dialogische Ansatz zwischen Lehrern und Schülern erfordert ein ständiges Abwägen zwischen den Bedürfnissen beider Seiten, wobei immer wieder über die Anforderungen von Richtlinien und Lehrplänen hinauszugehen sei. Jacinta Adhiambo, von der erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Catholic University of East Africa in Nairobi (Kenia), thematisierte in ihrem Vortrag politische Herausforderungen, die eine Entwicklung von kontextbezogenen Lehrplänen und die Zielsetzung Humanisierung im Bildungsbereich in Frage stellten.

 

Drei Workshops am Nachmittag boten den Teilnehmern und Teilnehmerinnen die Gelegenheit, in kleinen Gruppen mit dem jeweiligen Leiter/der jeweiligen Leiterin tiefer ins Thema einzusteigen. Peter Balleis (Jesuit Worlwide Learning) gestaltete den Workshop „Lernen zum friedlichen Zusammenleben und Netzwerk der Solidarität für humanistische Bildung“, Birgit Weiler stellte ein Konzept der   „interkulturellen zweisprachigen Schulbildung“ für indigene Völker in Peru vor und Elzbieta Osewska (Krakow und Tarnow) befasste sich mit der Agenda „Globalizing Civilization of Hope: Contexts, Practical Perspectives and Challenges“.

 

Am Freitagvormittag stand das Thema Missbrauch und Prävention im Mittelpunkt. Das erschreckende Ausmaß und die dokumentierten Vorkommnisse in kirchlichen Bildungseinrichtungen machten es notwendig, die Rolle der katholischen Bildung hinsichtlich der schwerwiegenden Verfehlungen im Erziehungsauftrag und die Möglichkeit eines Beitrags zum Schutz von Kindern und Minderjährigen zu untersuchen. Karolin Kuhn (Gregoriana Rom) betonte in ihrem eindrücklichen Vortrag, dass die Kirche zum Schutz der Kinder systematisch Maßnahmen ergreifen müsse. Dabei gehe es auch darum, den Leidtragenden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und ihnen konkrete Unterstützung zu gewähren, um die gewaltigen posttraumatischen Folgen zu überwinden.

 

Zum Abschluss standen Kurzbeiträge auf dem Programm, bei denen Katia Lenehan (Fu Jen Catholic University Tipei), Prisca Ezenwa (Imo State University Owerri) und Sergio Azevedo Junqueira (Institute of Research and Training Education and Religion, Curitiba) Einblicke in die kontextuellen Herausforderungen der christlichen Bildungsarbeit in Taiwan, Nigeria und Brasilien vermittelten.

 

Am Ende der Tagung wurde von Referenten und Teilnehmern der Wunsch und das Bestreben geteilt, die aufgeworfenen Aspekte zur Realisierung einer humanistischen Bildung in einen Aktionsplan zu bündeln und in einem Netzwerk aktiv zu werden.

 

Sr. Dr. Christiana Idika DMMM

Adhiambo, Jacinta

Dean, Faculty of Education
The Catholic University of Eastern Africa
Kenya

 

Azevedo, Junqueira Sérgio Rogério
Brasil

 

Balleis, Peter, SJ

Deutschland

 

Bechina, Friedrich, FSO
Rom, Italien

 

Böhmer, Maria

Präsidentin der deutschen UNESCO-Kommission
Deutschland

 

Ezenwa, Prisca, DMMM

Imo State University Owerri

Nigeria

 

Hedo, J. Rawsan
Catholic University Erbil
Iraq

 

Kuhn, Karolina, SSND

Gregorian University Rome

Italien

 

Lenehan Ho, Katia

Fu Jen Catholic University Taipei

Taiwan

 

Osewska, Elzbieta

Poland

 

Sullivan, John

Faculty of Arts and Humanities
Hope University Liverpool
United Kingdom

 

Weiler, Birgit, MMS

Deutschland

 

Zaborowski, Holger

Lehrstuhl für Geschichte der Philosophie und philosophische Ethik
PTH Vallendar
Deutschland

Flyer zur Veranstaltung (pdf-Datei)
Sr. Dr. Christiana Idika DMMM

 

Offenbacher Landstraße 224
60599 Frankfurt am Main

 

Raum: L  (Lindenbau)

 

Telefon: +49 69 6061-706

Telefax: +49 69 6061-777

 

E-Mail: idika@iwm.sankt-georgen.de