Rückschau:
Mit der internationalen Tagung „Engaging Synodality. Intercultural Perspectives for Re-Imagining New Pastoral Possibilities“ griff das IWM ein hochaktuelles Thema auf: die pastoraltheologische und interkulturelle Reflexion der gegenwärtigen Umsetzungsphase der Weltsynode zur Synodalität. Während viele wissenschaftliche Veranstaltungen der vergangenen Jahre Synodalität vor allem aus ekklesiologischer oder fundamentaltheologischer Perspektive beleuchteten, richtete diese Tagung den Blick gezielt auf die pastoralen Konsequenzen und Gestaltungsmöglichkeiten einer synodalen Kirche in unterschiedlichen kulturellen Kontexten.
Prof. Klara Csiszar eröffnete die Tagung mit einem Vortrag, in dem sie die pastoral- und missionstheologischen Grundlagen der Konferenz skizzierte. Sie stellte die Mission in das Zentrum einer synodalen Kirche, die vom ganzen Volk Gottes getragen wird. Als theologische Beraterin der Bischofssynode in Rom 2023–2024 brachte sie ihre theologische Expertise ebenso ein wie ihre interkulturellen Erfahrungen.
Prof. Dr. Carolina Bacher aus Argentinien (Vortrag: „Conceptualization of Ecclesial Culture and Pastoral Conversion“) knüpfte an Erkenntnisse der Organisationsforschung an und diskutierte theologische sowie kulturelle Aspekte kirchlicher Organisationsentwicklung.
Dr. Dr. Estela Padilla aus den Philippinen (Vortrag „Synodal Renewal. Doubts and Hopes“) analysierte die gegenwärtigen synodalen Prozesse anhand von drei Theorien des organisationalen Wandels und beleuchtete deren Potenziale sowie Hindernisse für die kirchliche Entwicklung.
Prof. Dr. Bernhard Spielberg aus Freiburg i.Br. (Vortrag: „The temptation to avoid synodality – and how to resist it“) präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse zum Synodalen Weg in der katholischen Kirche in Deutschland und verwies auf Strategien und Ansatzpunkte zu einer Implementierung synodalen Denkens und Handelns.
Am ersten Abend sprach Prof. Johannes Först (Würzburg) über das Verhältnis von Kirche und demokratischem Rechtsstaat. Daran schloss sich eine engagierte Diskussion über das Zusammenspiel von Demokratie und Synodalität aus globaler Perspektive an. Dabei wurde deutlich, dass aktuelle antidemokratische Tendenzen in westlichen wie auch in anderen Ländern die synodale Praxis der Kirche vor neue Herausforderungen stellen.
Der Donnerstagvormittag stand unter dem Thema „Governance and Co-Responsibility in the Church“. Den Auftakt bildete ein Hauptvortrag von P. Prof. Stan Chu Ilo (Nigeria/USA), der die ekklesiologischen Grundlagen des Themas aus der Perspektive der Intersubjektivität beleuchtete. In der anschließenden Podiumsdiskussion erörterten Prof. Christina Kheng (Singapur), Prof. Ikenna Okpaleke (Nigeria/Belgien) und JProf. Jean Olivier Nke Ongono (Kamerun/Deutschland) pastorale und kanonische Aspekte der Frage, wie mitverantwortliche Governance im konkreten Leben der Kirche auf ihren verschiedenen Ebenen gestaltet werden kann. Drei Workshops beziehungsweise Diskussionsrunden zu verwandten Themen rundeten den Vormittag ab.
In seinem Keynote-Vortrag beschrieb P. Prof. Luber SJ Synodalität als einen Lernprozess, in dem der universale Heilswille Gottes in unterschiedlichen Kulturen und Kontexten Wirklichkeit gewinnt. Reibung, Umkehr und Neuorientierung seien dabei keine Zeichen von Unvollkommenheit. Vielmehr könnten synodale Prozesse zu einem tieferen Verständnis des Evangeliums beitragen und helfen, partikulare sowie hegemoniale Tendenzen in der Kirche zu überwinden. Dies unterstrichen auch die Diskutanten, die Erfahrungen aus unterschiedlichen Kontexten einbrachten.
Am Donnerstagnachmittag berichteten Francesco Zaccaria, Katharina Karl, Markus Dünberger, Ikenna Okafor und Estela Padilla von ihren Erfahrungen mit synodalen Prozessen in Italien, Deutschland, Nigeria und auf den Philippinen. Gemeinsam mit dem Publikum diskutierten sie über den weiteren Verlauf dieser Prozesse, über Schwierigkeiten und blinde Flecken, nahezu unüberwindbare Hürden, aber auch über ermutigende Aufbrüche. Eines wurde dabei deutlich: Synodalität geht weiter.
Der Tag endete mit dem Workshop „Synodale Kompetenzen“. Darin stellte die wissenschaftliche Mitarbeiterin des IWM, Dr. Catalina Cerda-Planas, aktuelle Ergebnisse ihrer Postdoc-Forschung vor. Zugleich lud sie die Teilnehmenden dazu ein, Rückmeldungen zu jenen Kompetenzen zu geben, die sie bislang als besonders relevant für die Gestaltung einer synodalen Kirche identifiziert hatte.
Die Tagung zeichnete sich insbesondere durch zwei Merkmale aus. Zum einen brachte sie Wissenschaftler:innen aus Pastoraltheologie, Missionswissenschaft und Interkultureller Theologie mit pastoralen Mitarbeitenden sowie Verantwortlichen für synodale Prozesse in zahlreichen Diözesen zusammen. So entstand ein intensiver Dialog zwischen theologischer Reflexion und pastoraler Praxis, den die Beteiligten als bereichernd wahrnahmen. Zum anderen verlieh die internationale Zusammensetzung der Konferenz ein ausgeprägt interkulturelles Profil. Mehr als 20 Referent:innen aus rund 15 Ländern kamen mit über 40 Teilnehmenden aus deutschsprachigen Kontexten ins Gespräch. Die Vielfalt kirchlicher Erfahrungen eröffnete neue Perspektiven auf synodale Prozesse und machte sowohl gemeinsame Herausforderungen als auch kontextspezifische Lösungsansätze sichtbar.
Die positive und konstruktive Atmosphäre der drei Konferenztage, die intensive Beteiligung an den Diskussionen und die Vielfalt der Perspektiven wurden von den Teilnehmenden besonders hervorgehoben. Zugleich entstand ein internationales Netzwerk des gegenseitigen Lernens, dessen Fortführung vielfach gewünscht wurde. Die Tagung leistete damit nicht nur einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zur Synodalitätsforschung, sondern stärkte auch den internationalen Austausch zwischen theologischer Forschung und kirchlicher Praxis und setzte Impulse für die weitere Gestaltung synodaler Prozesse.
- Wissenschaftliche Mitarbeiterin – Mission und Bildung
