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Asiatische Reflexionen auf Nostra aetate

Vor zwei Jahren feierte die katholische Kirche das 50jährige Jubiläum des Abschlusses des II.

Vatikanischen Konzils. In diesem Zusammenhang fällt auch das Jubiläum der Konzilserklärung „Nostra aetate“, die ein neues Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen einläutete. Einer der Höhepunkte dieser Erklärung ist sicherlich der Satz:

„Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.“ (NA 2)

Dieser Satz markiert eine paradigmatische Wende im Verständnis anderer Religionen und dem kirchlichen Umgang mit ihnen. Die Konzilsväter erkannten an, dass nicht nur der christliche Glaube einen Wahrheitsanspruch hat, vielmehr lassen sich auch in den Lehren und Praktiken anderer Religionen Wahrheiten finden. Diese Anerkennung hatte zur Folge, dass die Begegnung mir Andersgläubigen nicht länger durch missionarischen Eifer und Konversionsversuche geprägt sein sollten, sondern durch ein Klima des gegenseitigen Respektierens und Lernens. In diesem Geist heißt es in der Erklärung weiter:

„Deshalb mahnt sie ihre Söhne [der Kirche], daß sie mit KIugheit und Liebe, durch Gespräch und Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.“ (NA 2)

Dieses herausragende Dokument des letzten Konzils würdigte die FABC (Federation of Asian Bishop´s Conferences – Zusammenschluss der asiatischen Bischofskonferenzen). Das Büro für ökumenische und interreligiöse Angelegenheiten veranstaltete vom 17.-19. November 2015 eine Konferenz in Pattaya (Thailand) zur Feier, Reflexion und Kontextualisierung dieses Dokuments. Die Vorträge dieser Veranstaltung lassen sich nun auf der Homepage der FABC in drei Dokumenten herunterladen. An dieser Stelle können nicht die einzelnen Vorträge reflektiert werden, doch zumindest soll es einen Überblick über die Themenvielfalt und die eingeladenen Referentinnen und Referenten geben:

Im ersten Dokument (FABC Papers 152) findet sich ein Überblick von Erzbischof Michael Fitzgerald, früherer apostolischer Nuntius in Ägypten, über Nostra aetate. Er sprach auf der Konferenz zu „Geschichte, Theologie und heutigen Herausforderungen von Nostra aetate“ aus der Perspektive 50 Jahre nach der Veröffentlichung. Der indische Theologe und Priester Felix Wilfred sprach zum Thema: „Eine asiatische Relecture von Nostra aetate nach 50 Jahren und ein Blick nach vorne“. Und schließlich stellen Bejoy Nicephorus D´Cruze (Bischof von Sylhet, Bangladesch), Matthew Park Moonseong (Mitglied der Kommission zur Förderung der Einheit der Christen und des interreligiösen Dialogs der Katholischen Bischofskonferenz von Korea) und Orlando Kardinal Quevedo (Erzbischof von Cotabato, Philippinen) die Früchte des interreligiösen Dialogs in Asien der letzten 50 Jahre vor. Im Vordergrund stehen dabei die drei Fragen: Wo stehen wir jetzt? Was haben wir gelernt? Wohin führt der Weg?

Nach diesen eher grundsätzlichen Überlegungen finden sich im zweiten Dokument (FABC Papers 153) spezifischerer Reflexionen. Felix Machado (Erzbischof von Vasai, Indien) referiert über den christlich-hinduistischen Dialog. Über den Dialog mit dem Buddhismus spricht der aus Sri Lanka stammende Priester Indunil Kodithuwakku (Untersekretäre des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog)Der indonesische Jesuit Heru Prakosa referiert über den christlich-muslimischen Dialog und Sunthorn Wongjomporn (Wissenschaftler am Research and Training Center for Religio-Cultural Community der Diözese Chiang-Mai, Thailand) spricht schließlich über den Dialog mit anderen ethnisch-traditionellen Religionen. Abgeschlossen wird dieses Dokument durch die Überlegungen der indischen Ärztin und Theologien Astrid Lobo Gajiwala zu interreligiösen Eheschließungen in Asien.

 

Im dritten und letzten Dokument (FABC Papers 154) finden sich weitere Kontextualisierungen, Herausforderungen und Weiterführungen von Nostra aetate im asiatischen Kontext. Der pakistanische Friedens- und Entwicklungshelfer Javaid William gibt einen Einblick in das erstarken von Fundamentalismus und religiöser Gewalt in Asien. Der philippinische Missionswissenschaftler Andrew Gimenez Recepcion thematisiert das Spannungsverhältnis zwischen dem christlichen Auftrag des Zeugnisgebens für Christus und dem Respekt vor der Wahrheit und Heiligkeit anderer Religionen. Und zum Schluss untersucht der malaysische Priester Clarence Devadess die Bedeutung der Enzyklika Laudato si’ für den interreligiösen Dialog in Asien.

 

All diese englisch-sprachigen Konferenzbeiträge geben einen hervorragenden Einblick in verschiedene asiatische Kontexte, Theologien und Herausforderungen des interreligiösen Dialogs. Man kann der FABC wirklich danken, dass sie diese Beiträge kostenfrei zur Verfügung stellt, damit sich auch andere Theologinnen und Theologen oder auch andere Interessierte an diesen asiatischen Reflexionen zu Nostra aetate bereichern können.

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    Markus Patenge

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