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AMP – Pilger- und Studienreise nach Israel
Das Albertus Magnus-Stipendienprogramm hat vom 22.2.–3.3.2023 zum ersten Mal eine Pilger- und Studienreise ins Heilige Land durchgeführt. An der Veranstaltung nahmen insgesamt 16 Personen aus 12 Nationen teil, was die Israelreise auch zu einem interkulturellen Erlebnis machte. Die 10-tägige Rundreise führte unsere Gruppe vom Mittelmeer über Nazareth und dem See Genezareth durch den Jordangraben bis zum Toten Meer und schließlich hinauf nach Jerusalem und Betlehem. Bei der Pilgerschaft und der Idee, auf den Spuren Jesu die Bibel lebendig werden zu lassen, wurden die Funde und Erinnerungsorte immer wieder auch historisch-archäologisch eingeordnet. Zudem informierte sich die Gruppe über die aktuelle gesellschaftspolitische Situation in Israel und im Westjordanland.

 

Von den intensiven Reisetagen werden den Pilgernden sicherlich viele Momente in Erinnerung bleiben: Hierzu gehört der Besuch von Nazareth, insbesondere der doppelstöckigen Verkündigungsbasilika, die das Erscheinungsbild der Altstadt prägt. Beeindruckend waren die zahlreichen innerhalb und außerhalb des Sakralbaus befindlichen Mariendarstellungen, die viele Länder gestiftet haben. Zum Pflichtprogramm gehörte selbstverständlich ein Selfie-Foto der AMP-Stipendiaten vor der „Maria“ des eigenen Herkunftslandes.

 

Dem gegenüber war der Aufenthalt in Tabgha am Nordufer des See Genezareth – zugleich Erinnerungsort der wunderbaren Brotvermehrung – von größerer Ruhe und Besinnlichkeit geprägt. Ergreifend war die gemeinsame Eucharistiefeier in Dalmanuta mit direktem Blick auf den See, der das Leben Jesu und seiner Jünger geprägt hat. An diesem spirituellen Ort wird die Symbolsprache der Evangelien verständlicher, wenn es etwa heißt „Folgt mir nach und ich mache euch zu Menschenfischern“. Beim anschließenden Gespräch berichtete Pater Jonas, Prior des deutschsprachigen Benediktinerklosters in Tabgha, authentisch vom Brandanschlag israelischer Ultranationalisten im Juni 2015 und von der anschließenden überwältigenden Hilfsbereitschaft der benachbarten jüdischen und arabischen Familien.

 

An der Taufstelle Jesu am Jordan wurde deutlich, dass die christlichen Erinnerungsorte von den verschiedensten Denominationen aufgesucht werden, die dort ihre eigene Glaubenspraxis verfolgen: Eine große Gruppe neopentekostaler Christen, die an den weißen knielangen Gewändern zu erkennen war, wartete geduldig auf den Einstieg ins Jordanwasser und unterstützte ihre Täuflinge beim Untertauchen mit großem Jubel. In der Menge musste man lange suchen, bis man auch einen schwarz gekleideten katholischen Priester mit Stola sah, der in einem kurzen, geradezu introvertierten Moment eine Erwachsenentaufe durchführte.

Anschließend erreichten die Stipendiatinnen und Stipendiaten den Höhepunkt ihrer Reise: Die Heilige Stadt Jerusalem! Am ersten Abend sollte ein armenisch-apostolischer Diakon die Gruppe durch das armenische Viertel führen. Die Überraschung war groß, als er sie dabei direkt zur Grabeskirche, dem heiligsten Ort der Christenheit, brachte. Es dauerte einen Augenblick, bis allen in der Gruppe klar wurde, dass sich an diesem Ort der Überlieferung zufolge die Kreuzigungsstelle und das Grab Jesu befindet. Die Schatten der Abendstunden hatten sicherlich einen Anteil daran, dass der dunkle Sakralbau mit seiner verwinkelten Architektur kognitiv undurchdringbar wirkte. Beim Rundgang teils über steile Treppen standen die Stipendiaten plötzlich vor dem gespalteten schwarzen Felsmassiv, der als Golgatha angesehen wird. Auch der Kreuzweg im Zeichen der Passion Christi auf der Via Dolorosa war ein besonderes spirituelles Erlebnis – und gleichermaßen eine Herausforderung: Die Stationen befinden sich größtenteils in den engen Gassen des bevölkerten arabischen Viertels. Der Antwortgesang der Gruppe „Schenke uns neu dein Erbarmen“ wurde mit dem Knattergeräusch der Motorräder und dem Ruf des Muezzins vermischt. Wie viel klarer war am nächsten Tag der Gesang im Abendmahlsaal auf dem Berg Zion zu hören, als spontan eine weitere Gruppe deutschsprachiger Pilger in den Chor einstimmte.

 

Den Abschluss der Rundreise stellte der Aufenthalt in Bethlehem und der Besuch der Geburtsbasilika dar. Ein 14-zackiger Silberstern in der Geburtsgrotte, der durch Öllampen illuminiert wird, kennzeichnet den Ort, an dem Christus zur Welt kam. Es war dem guten Willen eines orthodoxen „Küsters“ zu verdanken, dass die Pilgergruppe ausreichend Zeit für das eigene Gebet in dem gedrungenen Raum vor dem Heiligtum hatte. Üblicherweise ist der Zugang streng geregelt, so dass man dort nur eine Minute verweilen darf, nachdem man lange Zeit anstehen musste.

 

Der Besuch des Arab Educational Institute, das von Pax Christi in Betlehem unweit der Mauer unterstützt wird, vergegenwärtigte der Reisegruppe auch die Schwierigkeiten der aktuellen politischen Situation, insbesondere für Christen im Westjordanland. Neben einem Bildungsangebot stellt das Institut ein Begegnungsforum für Menschen bereit, die durch die gewalttätigen Eingriffe des Staates Israel traumatisiert sind und teils zusätzlich unter dem Wegzug von Familienmitgliedern zu leiden haben. Die AMP-Stipendiatinnen und -Stipendiaten waren sichtlich von den lebhaften Schilderungen der Betroffenen gerührt und baten im gemeinsamen Gebet um Frieden und Gerechtigkeit.

 

Insgesamt kann die Pilgergruppe auf eine intensive und bewegende Zeit zurückblicken, die von vielen Momenten der spirituellen Erbauung geprägt war, ohne die bedrückende Situation im Westjordanland übersehen zu haben. Mit Dank kehrten die Teilnehmenden nach Deutschland zurück, da es für die meisten von ihnen die einmalige Gelegenheit gewesen sein dürfte, das Heilige Land zu besuchen.

  • Stellvertretender Direktor / Koordinator der Programme
beck@iwm.sankt-georgen.de
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