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Besuch aus Cochabamba/ Bolivien am IWM

Im Rahmen der Kooperation mit der Katholischen Universität Boliviens und der Hochschule Sankt Georgen besuchte Sandro Paiva von der Katholischen Universität Boliviens auch das IWM und sprach mit P. Prof. Luber SJ über indigene Denktradition. Er warb dafür, indigene Weisheit als gleichwertigen philosophischen Ansatz stärker zu beachten.

Paiva hat an der Theologischen Fakultät San Pablo in Cochabamba eine Magisterarbeit über den indigenen Schamanen Policarpio Flores geschrieben. Im Gespräch mit P. DDr. Markus Luber SJ, dem er ein Exemplar seiner als Buch veröffentlichten Magisterarbeit überreichte, erläuterte er seine Motivation.

 

Er wünsche sich, dass indigenes Denken endlich auch im akademischen Betrieb anerkannt werde. „Die jahrtausendealte Weisheit unserer Völker wird bis heute nur als Kosmovision akzeptiert, aber nicht als Philosophie, die etwa dem europäischen Denken ebenbürtig ist“. Dabei könne die bei den indigenen Völkern Boliviens weit verbreitete Überzeugung, dass die Menschen und die übrigen Lebewesen auf diesem Planeten wie in einem großen Geflecht miteinander verbunden seien, in Zeiten ökologischer und sozialer Krisen eine wichtige Korrektur darstellen. So führe diesem ganzheitlichen Denken zufolge das Leiden einer Gruppe von Lebewesen über kurz oder lang auch zum Leiden der übrigen – die Menschen eingeschlossen. Und die Annahme, dass alle Elemente unserer Mitwelt von göttlichen Kräften durchzogen und deshalb heilig seien, münde in einen tiefen Respekt vor allen Mitgeschöpfen.

 

Diese Haltung entspringe einer über Generationen hinweg gepflegten Kontemplation der Natur. Deshalb sei auch das „andar con“, also das bewusste Unterwegs-Sein mit den übrigen Wesen im Netzwerk des Lebens von großer Wichtigkeit. „Leider haben diesbezüglich missionarische Initiativen aus Europa oder den Vereinigten Staaten in den letzten Jahrhunderten große Schäden angerichtet“, so das nachdenkliche Resümee von Paiva, der selbst neben Spanisch auch Quechua und Aymara spricht und sich zugleich dem Laienapostolat der Maryknoll-Bewegung verbunden weiß. Umso wichtiger sei es seiner Meinung nach, die religiösen und philosophischen Traditionen der über dreißig indigenen Völker Boliviens lebendig zu erhalten – und deren tiefe Weisheit auch Menschen in Europa und dem dortigen Wissenschaftsbetrieb zugänglich zu machen.

 

Dr. Dietmar Müßig