Mission als Mutter der Theologie? – Antrittsvorlesung von P. Prof. Dr. Dr. Markus Luber an der Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen
Unter dem Titel „Mission als Mutter der Theologie?“ spannte P. Prof. Luber SJ bei seiner Antrittsvorlesung an der Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen einen Bogen über zentrale Entwicklungen der modernen Missionstheologie.
Ausgehend von David J. Bosch’ Verständnis von Mission als „Mutter der Theologie“ zeigte er, wie stark Mission und theologische Reflexion historisch miteinander verwoben sind. Im Fokus stand dabei das ökumenische Paradigma, das Mission als dialogische Praxis begreift – orientiert an Versöhnung, Gerechtigkeit und der Heilung der Schöpfung. Dieses Paradigma betont eine selbstkritische Kirche, die sich als pilgernde Gemeinschaft versteht und sich am Handeln Gottes, der missio Dei, beteiligt.
Wesentliche Impulse kommen dabei aus feministischen, postkolonialen und interkulturellen Ansätzen. An Beispielen wie der Missionsarbeit von Sr. Birgit Weiler im Amazonasgebiet sowie den theologischen Überlegungen des indischen Jesuiten Michael Amaladoss wurde deutlich, dass Mission heute vor allem Begegnung, wechselseitige Transformation und kulturelle Übersetzung bedeutet. Inkulturation, so Luber, ist kein Anpassungsakt, sondern ein kreativer Prozess gegenseitiger Durchdringung.
Im zweiten Teil seines Vortrags rückte P. Prof. Luber SJ die ökologische Krise als zentrales missionarisches Handlungsfeld in den Fokus – ein Feld, das seit der Veröffentlichung von Laudato Si’ vor zehn Jahren in der kirchlichen Mission stetig an Bedeutung gewonnen hat. In diesem Zusammenhang setzte er sich intensiv mit Bruno Latour auseinander, dessen Überlegungen zwei bemerkenswerte Impulse liefern: Zum einen die Idee einer „ökologischen Eschatologie“, die die planetaren Umbrüche als eine Art gegenwärtige Endzeiterfahrung deutet; zum anderen die Forderung nach einer neuen planetarischen Erzählung, die der Menschheit eine gemeinsame Orientierung gibt. Luber zeigte, dass diese Perspektiven theologisch anschlussfähig sind, zugleich aber eine entscheidende Leerstelle bei Latour offen bleibt: der fehlende Bezug zur Transzendenz. Dadurch bleibt insbesondere die Frage nach Gerechtigkeit – für die Gegenwart wie für die Geschichte – ungelöst. Die Theologie ihrerseits steht vor der Aufgabe, die ökologische Eschatologie ernst zu nehmen und produktiv in die eigene Lehre von den „letzten Dingen“ zu integrieren, um ein Narrativ zu entwickeln, das sowohl den planetaren Herausforderungen als auch dem christlichen Verständnis von Hoffnung und Verantwortung gerecht wird.
Abschließend führte P. Prof. Luber SJ aus, dass missionarisches Engagement nicht nur rechte Lehre (Orthodoxie) und richtiges Handeln (Orthopraxis) erfordert, sondern – im Sinne von Jonathan Y. Tan – auch ein echtes Mitfühlen (Orthopathos). Seine spirituelle Verankerung fand Luber in den Erfahrungen des Ignatius von Loyola, in denen Mission als Teilhabe an der trinitarischen Bewegung Gottes sichtbar wird. Diese partizipative Dynamik schenke Freiheit, bewahre vor Resignation wie vor Aktivismus und begründe die Hoffnung, dass kein Einsatz für die Welt vergeblich ist.
Die Aufzeichnung der vollständigen Antrittsvorlesung finden Sie HIER.
Begleitend zur Antrittsvorlesung ist zudem im Regionalteil (Rhein-Main) der FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung in der Ausgabe Nr. 264 vom 13. November 2025 auf Seite 5 ein Bericht zu P. Prof. Dr. Dr. Markus Luber SJ erschienen.
