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Albertus Magnus Jahresakademie 2016

Weltkirchliche Lerngemeinschaft in der Aula

Vom 05. bis 07. Oktober fand am IWM die bereits dritte Jahresakademie des Albertus Magnus Stipendienprogramms statt. Mit dem Alter des Stipendienprogramms wächst auch die Zahl der Stipendiaten. 36 Studierende aus verschiedenen Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas versammelten sich diesmal, um während dreier Tage aktuelle Forschungsprojekte zu präsentieren und gemeinsam zu diskutieren. Vielfältig waren dabei nicht nur die kulturellen Hintergründe der Stipendiaten, sondern auch die thematischen Schwerpunktsetzungen der 14 vorgestellten Projekte. Die Palette der Themen reichte von exegetischen Fragestellungen über pastoraltheologische, ethische und fundamentaltheologische Arbeiten bis hin zu philosophischen Untersuchungen. Stellvertretend für die große Vielfalt seien hier drei Projekte erwähnt:

 

Jean Molière Elarion CSC, Stipendiat aus Haiti, stellte sein Dissertationsprojekt über die Universalität des Heils nach Claude Geffré, Jaques Dupuis und Michel Younès vor, das er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Sankt Georgen durchführt. Das Projekt unternimmt den Versuch, die Ansätze dieser katholischen Religionstheologen mit aktuellen soziologischen Theorien über „boundary objects“ in Verbindung zu bringen und dadurch Wege aufzuzeigen, die es erlauben, über die traditionelle Unterteilung religionstheologischer Zugangsweisen in exklusivistische, inklusivistische und pluralistische Ansätze hinauszudenken.

Prof. Josef Freitag über Inkulturation
Anthony Adani, Stipendiat aus Nigeria, der an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar promoviert, präsentierte eine Arbeit über „Heideggers authentische Existenz“ im Angesicht der aktuellen Selbstbestimmungskrise unter Jugendlichen in Nigeria. Das Projekt versucht die heideggersche Hermeneutik der Faktizität fruchtbar zu machen, um eine gemeinsame Basis für Selbstverständigungsprozesse in Nigeria zu gewinnen, die jenseits ethnischer, kultureller und religiöser Differenzen zu gegenseitigem Verständnis, Dialog und Versöhnung beitragen kann.

 

Volodymyr Laktatosh aus Transkarpatien (Ukraine) berichtete von den Fortschritten seines Dissertationsprojekts an der Universität Bochum. An Hand einer Untersuchung der Metaphysik- und Religionskritik Jaques Derridas versucht die Arbeit neue Perspektiven für die theologische Rede von Gott in der Gegenwartsphilosophie freizulegen. Daraus soll nicht nur ersichtlich werden, wie es möglich ist, postmodern das Gebet neu zu denken. Anknüpfungspunkte an die Philosophie Derridas ergeben sich möglicherweise auch über die für die Ostkirchen zentrale Praxis der Ikonenverehrung.

Nicht hoch genug würdigen kann man die Leistung der Stipendiaten sich nach einer für manche erst relativ kurzen Zeit in Deutschland über komplexe theologische Fragen auf Deutsch zu verständigen.

 

Zusätzlich zu den Projektvorstellungen bot das Rahmenprogramm der Jahresakademie den Stipendiaten auch einige Impulse von außen.

 

Prof. em. Dr. Josef Freitag von der Universität Erfurt gab bei einem öffentlichen Abendvortrag am Mittwoch Abend nicht nur einen systematisch-theologischen Überblick über die Herausforderungen und die Struktur von Inkulturationsprozessen, er erzählte auch anschaulich von seinen eigenen diesbezüglichen Erfahrungen und biografischen Lernprozessen. Die Vielfältigkeit der Thematik sowie deren zunehmende Relevanz in Zeiten beschleunigter Globalisierung kamen in der anschließenden Diskussion mit den Stipendiaten deutlich zum Tragen.

 

Eine Inspiration anderer Art bot die Teilnahme an einer Führung zum Thema „Kunst und Religion“ im berühmten Frankfurter Städel-Museum am Donnerstag Nachmittag. Der ästhetischen Reflexion folgte die kulinarische Inkulturation beim Besuch einer der typischen Frankfurter Apfelweinkneipen.

 

Neben dem wissenschaftlichen Austausch ist die soziale Vernetzung der Stipendiaten ein wichtiger Aspekt der Jahresakademie. Die Teilnehmenden erhalten dadurch nicht nur wertvolle Rückmeldungen für ihre Forschungsprojekte, sondern haben die Möglichkeit, mit anderen Ländern und Kulturen, aber auch mit den unterschiedlichen Erfahrungen an den verschiedenen Studienorten in Deutschland in Kontakt zu kommen. Viele der Freundschaften werden die Stipendiaten auch nach ihrer Rückkehr in ihre jeweiligen Heimatländer weiterhin miteinander verbinden. Darüber hinaus ist die Jahresakademie eine wichtige Plattform für den Austausch zwischen den wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des IWM und den Stipendiaten des Alberts Magnus Programms.

 

Die AMP-Jahresakademie hat sich damit binnen kurzer Zeit zu einem innovativen Format weltkirchlicher Begegnung, interkulturell geteilter theologischer Reflexion und des lebendigen Austauschs über die Herausforderungssituationen in den unterschiedlichen Kontexten der Weltkirche entwickelt. Der Erfolg der Veranstaltung gibt Anlass mit Zuversicht in die weitere Zukunft des Stipendienprogramms zu blicken.

  • t

    Sebastian Pittl

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