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Außerordentliches Jubiläum der Barmherzigkeit

Zum diesjährigen Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit wurde die Bulle „Misericordiae vultus“ von Papst Franziskus veröffentlicht, mit der er ein außerordentliches Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit ankündigte.

Dieses Festjahr beginnt am 8. Dezember 2015 und wird am 20. November 2016 enden.

 

Wie bereits das apostolische Schreiben „Evangelii gaudium“ zeigt, fordert Franziskus die gesamte Kirche stets neu dazu auf, ihren missionarischen Charakter nicht zu leugnen und sich immer wieder darauf zu besinnen. Und so ist auch die Ausrufung des außerordentlichen Jubiläumsjahres missiologisch motiviert, um „in ganz besonderer Weise den Blick auf die Barmherzigkeit zu richten und dabei selbst zum wirkungsvollen Zeichen des Handelns des Vaters zu werden.“ (3) Es lohnt sich daher, „Misericordiae vultus“ auf seine missionstheologischen Implikationen hin zu untersuchen. Drei Punkte scheinen dabei programmatisch für die Bulle und das gesamte Wirken des Papstes zu sein:

Kardinäle beim Studium der Verkündigungsbulle. Quelle: Webpage des Vatikan

  1. Hinwendung zur Welt

Franziskus schreibt, dass er den Eröffnungstermin des Jubiläumsjahres mit bedacht ausgewählt hat. Die katholische Kirche feiert am 8. Dezember 2015 das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Die Erwählung Mariens zur Mutter Jesu und ihre Befreiung von der Erbsünde steht nach Franziskus exemplarisch für das gesamte Wirken Gottes in der Welt. Auf die Sündhaftigkeit der Menschheit reagiert Gott mit der erlösenden Sendung seines Sohnes: „Auf die Schwere der Sünde antwortet Gott mit der Fülle der Vergebung. Die Barmherzigkeit übersteigt stets das Maß der Sünde, und niemand kann der verzeihenden Liebe Gottes Grenzen setzen.“ (3) Gott selbst wendet sich nicht vom sündigen Menschen ab, sondern überschüttet ihn mit seiner Barmherzigkeit. An dieser göttlichen Barmherzigkeit muss auch das Wirken der Kirche in der Welt ihr Maß nehmen. Für diese barmherzige Zuwendung der Kirche zur Welt steht ebenfalls das ausgewählte Datum. Denn am 8. Dezember vor 50 Jahren endete das II. Vatikanische Konzil. Die Konzilsväter läuteten mit dem II. Vatikanum „eine neue Etappe der immer anstehenden Evangelisierung“ (4) ein. Diese neue Etappe besteht in der uneingeschränkten Hinwendung der Kirche zur Welt, um für die Menschen ein sichtbares und vor allem verständliches Zeichen des Wirkens Gottes zu sein. Nicht ohne Grund zitiert Franziskus daher aus der Eröffnungsrede von Johannes XXIII: „Heute dagegen möchte die Braut Christi lieber das Heilmittel der Barmherzigkeit anwenden als die Waffen der Strenge.“ (4)

Die Verkündigungsbulle. Quelle: Webpage des Vatikan

 

  1. Barmherzigkeit als Schlüsselwort christlicher Mission

So wie die Kirche ihre Sendung vom Wirken Jesu und seinem Auftrag her versteht, so kann man die jesuanische Sendung nicht ohne das Wirken Gottes verstehen. Da die Barmherzigkeit selbst zum Wesen Gott gehört, spiegelte sich diese auch im Leben Jesu wider: „Die Sendung, die Jesus vom Vater erhalten hatte, war es, das Geheimnis der göttlichen Liebe in seiner Fülle zu offenbaren. […] Alles in Ihm spricht von Barmherzigkeit. Nichts in Ihm ist ohne Mitleid.“ (8) Und so muss auch die Barmherzigkeit im Zentrum allen Tuns der Kirche stehen, sie ist der „Tragebalken, der das Leben der Kirche stützt“ (10). Deswegen darf die Kirche auch niemals müde werden, Barmherzigkeit zu verkünden und als das Zeichen des Reiches Gottes zu bezeugen. (5) Wenn die Kirche in der Welt das Evangelium verkünden möchte, muss sie daher von der Barmherzigkeit Gottes sprechen; will sie die Wahrhaftigkeit des Evangeliums bezeugen, muss sie in Werken der Barmherzigkeit sprechen: „Die Braut Christi macht sich die Haltung des Sohnes Gottes zu Eigen und geht allen entgegen und schließt keinen aus. In unserer Zeit, in der die Kirche sich der Neuevangelisierung verschrieben hat, gilt es das Thema der Barmherzigkeit mit neuem Enthusiasmus und einer erneuerten Pastoral vorzutragen. Es ist entscheidend für die Kirche und für die Glaubwürdigkeit ihrer Verkündigung, dass sie in erster Person die Barmherzigkeit lebt und bezeugt! Ihre Sprache und ihre Gesten müssen die Barmherzigkeit vermitteln und so in die Herzen der Menschen eindringen und sie herausfordern den Weg zurück zum Vater einzuschlagen.“ (12)

 

  1. Werke der Barmherzigkeit

Die in Jesus Christus bezeugte göttliche Barmherzigkeit entfaltet Franziskus in ein reichhaltiges Programm kirchlichen Handelns und persönlicher Jesusnachfolge. Christinnen und Christen sollen ihre Herzen öffnen, um das Not und das Elend unserer Mitmenschen an den gesellschaftlichen Peripherien wahrzunehmen. „Wie viele Wunden sind in das Fleisch so vieler Menschen gerissen, die keine Stimme mehr haben, weil ihr Schrei, aufgrund der Teilnahmslosigkeit der reichen Völker, schwach geworden oder ganz verstummt ist. In diesem Jubiläum ist die Kirche noch mehr aufgerufen, diese Wunden zu behandeln, sie mit dem Öl des Trostes zu lindern, sie mit der Barmherzigkeit zu verbinden und sie mit der geschuldeten Solidarität und Achtung zu heilen.“ (15) Dabei ist es für Franziskus wichtig, dass alle Nöte der Menschen ernst genommen werden. Daher geht es nicht nur um eine „leibliche“ Zuwendung zu den Armen, sondern auch um „geistige“ Werke der Barmherzigkeit: „den Zweifelnden recht raten, die Unwissenden lehren, die Sünder zurechtweisen, die Betrübten trösten, Beleidigungen verzeihen, die Lästigen geduldig ertragen und für die Lebenden und Verstorbenen zu Gott beten.“ (15) Es ist anzunehmen, dass diese Aufzählung nicht vollzählig ist, sondern exemplarisch zu verstehen ist. Die barmherzige Zuwendung der Kirche zu den Menschen darf also keine Grenzen kennen und vor keiner Notsituation Halt machen.

 

Franziskus legt mit dieser Verkündigungsbulle sein Verständnis über den Kern christlicher Mission dar. Sie besteht für ihn darin, die Barmherzigkeit Gottes in der Welt zu bezeugen und durch das Handeln der Kirche konkret erfahrbar zu machen: „Die Kirche spürt die dringende Notwendigkeit, Gottes Barmherzigkeit zu verkünden. Ihr Leben ist authentisch und glaubwürdig, wenn sie die Barmherzigkeit überzeugend verkündet. […] Die Kirche ist berufen, als Erste glaubhafte Zeugin der Barmherzigkeit zu sein, indem sie diese als die Mitte der Offenbarung Jesu Christi bekennt und lebt. […] In diesem Jubiläumsjahr finde in der Kirche das Wort Gottes Echo, das stark und überzeugend erklingt als ein Wort und eine Geste der Vergebung, der Unterstützung, der Hilfe und der Liebe. Die Kirche werde nie müde, Barmherzigkeit anzubieten, und sie sei stets geduldig im Trösten und Vergeben.“ (25)

 

 

Die Zahlen im Text verweisen auf den jeweiligen Abschnitt der Bulle.

  • t

    Markus Patenge

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