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Die „Missionskeule“ – Eine internationale Spurensuche beginnt

Im Rahmen der IWM-Projekte zu missionsgeschichtlichen Sammlungen rückt ein außergewöhnliches Objekt in den Fokus: eine reich verzierte Steinkopfkeule. Eine neue Artikelserie in Zusammenarbeit mit Weltkirche.de beleuchtet ihre Herkunft und eröffnet zugleich eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Missionsgeschichte Nordamerikas.

Im Archiv der Jesuiten der Zentraleuropäischen Provinz befindet sich ein besonderes Objekt: eine kunstvoll gestaltete Steinkopfkeule, deren Herkunft und Bedeutung lange Zeit unklar waren. Was zunächst wie ein klassisches Werkzeug nordamerikanischer Indigener erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Ausgangspunkt für eine vielschichtige Spurensuche.

 

Im Kontext des IWM-Projektes „Missionsgeschichtliche Sammlungen“ wurde die Keule genauer untersucht. Dabei zeigt sich, dass sie nicht nur ein materielles Artefakt ist, sondern ein Träger zahlreicher Geschichten – von ihrer möglichen Entstehung im Umfeld indigener Kulturen Nordamerikas über ihre Verbindungen zur Mission deutscher Jesuiten bis hin zu ihrem Weg in das Münchner Archiv.

 

Die Forschung macht deutlich: Solche Objekte werfen zentrale Fragen auf. Welche Rolle spielten sie im Kontext missionarischer Tätigkeit? In welchen historischen und kulturellen Zusammenhängen stehen sie? Und wie ist heute mit Sammlungsstücken umzugehen, die möglicherweise in einem kolonial geprägten Umfeld nach Europa gelangten?

 

Die Auseinandersetzung mit der „Missionskeule“ führt dabei auch in größere Themenfelder: zur Geschichte der Jesuitenmission in South Dakota (USA), zu Fragen nach kultureller Entfremdung in Missionsschulen sowie zur heutigen Aufarbeitung dieses Erbes. Persönlichkeiten wie Eugen Büchel SJ oder Nicholas Black Elk stehen exemplarisch für die komplexen Verflechtungen zwischen christlicher Mission und indigener Kultur.

 

Mit einer neuen Artikelserie in Zusammenarbeit mit Weltkirche.de lädt das IWM dazu ein, diese Zusammenhänge näher kennenzulernen. Ziel ist es, nicht nur historische Fakten zusammenzutragen, sondern unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und so zu einer differenzierten Bewertung beizutragen. Die Beiträge erscheinen im regelmäßigen Rhythmus auf Weltkirche.de und greifen zentrale Aspekte rund um die „Missionskeule“ auf.

Ansichten der Missionskeule (Quelle: IWM)
Die Missionskeule. Eine Serie:
1. Die Missionskeule: Eine internationale Spurensuche (von P. Prof. Markus Luber SJ)
Der Überraschungsfund beim Ausmisten: Eine prunkvoll verzierte Keule. Wie ist sie nach Deutschland gelangt – und warum? Erstes Kapitel einer internationalen Spurensuche, die tief in die Missionsgeschichte Nordamerikas führt – und Fragen aufwirft zu unserem Umgang mit kolonialem Erbe.

 

2. „Wie kommt die Indianer-Keule zu den Jesuiten?“ und andere Fragen der Projektstelle Missionsgeschichtliche Sammlungen (von Dr. Markus A. Scholz)
Über 50 völker- und naturkundliche Sammlungen sind hierzulande im Eigentum katholischer Missionsorden. Wie, warum und unter welchen Bedingungen sind sie entstanden – und enthalten sie geraubte Objekte? Eine Frage, die sich nicht immer einfach beantworten lässt.

 

3. Der Weg der Sioux-Steinhammerkeule: Wo sie angefertigt wurde – und wozu (von Dr. Nikolaus Stolle)
Kann ein Holzstiel, ein Loch oder ein Stück Tierhaut Auskunft darüber geben, woher die Steinkopfkeule vom Dachboden des Jesuitenkollegs in Pullach stammt? Dr. Nikolaus Stolle ist Experte für Geschichte und Kulturen Nordamerikas – und hat eine Antwort.

 

4. Deutsche Jesuiten bei den Lakota-Sioux – Eine vielschichtige Beziehung (von P. Prof. em. Klaus Schatz SJ)
Ab 1886 wirkten deutsche Jesuiten in der Lakota-Mission in South Dakota. Sie versuchten dort Missionierung und Erziehung zum Handwerken zu verbinden. Trieben sie die kulturelle Assimilation der Lakota voran? Die Antwort ist vielschichtig – und nicht unumstritten.

 

5. Respekt für Respekt: Eugen Büchel SJ in Pine Ridge (Cornelia Stieler und Dr. Sonja John im Gespräch)
Aus der Röhn zu den Lakota: Nach einer schweren Kindheit führte es Eugen Büchel zu nordamerikanischen Indigenen. Ein Gespräch über sein Erbe – und darüber, wie der Jesuit am Ort seines Wirkens erinnert wird.

 

6. Sammeln und Ausstellen für die Lakota (von Dr. Markus Lindner)
Das Buechel Memorial Lakota Museum in St. Francis und das Heritage Center der Red Cloud Indian School: Zwei sehr unterschiedliche Institutionen in South Dakota zeigen Sammlungen von Kunst und Ethnographica der Lacota. Ihr Beispiel belegt: Es macht einen Unterschied, für wen sie entstanden sind – und wem sie gehören.

 

7. Die Suche nach der Wahrheit an der Red Cloud Indian School (von Dr. Claudia Roch)
Eine frühere Missionsschule stellt sich ihrer Vergangenheit: Generationen Indigener in den USA wurden zur „Umerziehung“ in oftmals kirchliche Internatsschulen geschickt. Viele erlebten dort Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung. In der Red Cloud Indian School in South Dakota setzt man sich heute aktiv für die Wahrheitssuche ein – und sucht nach Heilung.

 

8. People Are More Important Than Ideas: Catholicism, Colonialism, and Historical Reckoning (von P. William Critchley-Menor SJ)
A former Indian boarding school faces its past: Arbeiten an einem früheren Kirchen-Internat für Indigene, das Teil der staatlichen Assimilationspolitik war? Als der Jesuit William Critchley-Menor seinen neuen Job antritt, schämt er sich zunächst. Doch Begegnungen mit Lakota lehren ihn: Er geht von falschen Grundannahmen aus.

 

9. Indigene Spiritualität und christlicher Kontext – eine Schieflage? (von Ingeborg Maria Hainz)
Transzendenz im Alltag gesucht, indigene Tradition gefunden: Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? In den 90er-Jahren hofften viele, in der Spiritualität der nordamerikanischen Lakota Antworten auf diese Fragen zu finden. Doch sie stießen auf Herausforderungen, berichtet die Künstlerin und Philosophin Ingeborg Hainz.

 

10. Nicholas Black Elk: Auf der Suche nach Erfüllung einer Vision (von Dr. Markus Lindner)
Katholik, indigener Traditionalist, Heiliger Mann: Dem Oglala-Lakota Heȟáka Sápa werden bis heute viele Stempel aufgedrückt. Die Suche nach einem Mann mit tiefer Spiritualität – und einer Vision.

 

11. Er ließ nie zu, dass sein Katholizismus sein Lakota-Sein abschwächte (von P. William Critchley-Menor SJ)
Indigene Perspektiven auf Nicholas Black Elk: Über 30 Jahre diente Nicholas Black Elk seinem Volk als Medizinmann und Katechet, trotz Verfolgung und persönlicher Schicksalsschläge. Zwei Seelsorger aus dem Pine Ridge-Reservat berichten über den Mann, der Lakota-Tradition und katholischen Glauben in Einklang brachte.

 

12. in Planung

  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter – Missionsgeschichtliche Sammlungen
+49 69 6061-705 scholz@iwm.sankt-georgen.de
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